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Entwicklung des Organisationsgrades der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften haben Defizite vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern. Die Zahl der bei der IG BAU organisierten Arbeiter und Angestellten ist seit Jahren rückläufig.

Auf der Grundlage der sog. Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) hat das Institut der Deutschen Wirtschaft soeben - allerdings für das Kalenderjahr 2014 - den Anteil der aktiven Gewerkschaftsmitglieder an der Arbeitnehmerschaft (Organisationsgrad) nach Altersklassen veröffentlicht. Es handelt sich dabei um den sog. Netto-Organisationsgrad, bei dem nur die berufstätigen Gewerkschaftsmitglieder ohne Arbeitslose und Rentner berücksichtigt werden.

Die dieser Umfrage zugrunde liegende Frage lautete: "Darf ich Sie fragen, ob Sie derzeit Mitglied einer Gewerkschaft sind?" Damit lässt die Befragung keine Unterscheidung nach den einzelnen Gewerkschaften zu.

Nach Altersklassen ergeben sich folgende Anteile der Gewerkschaftsmitglieder:

  • 18 bis 30 Jahre: 12,1 %
  • 31 bis 40 Jahre: 14,4 %
  • 41 bis 50 Jahre: 18,3 %
  • 51 und älter: 22,2 %

Insgesamt beträgt der Organisationsgrad aller aktiven Arbeitnehmer 17,5 %, mehr als 40,0 % der Gewerkschaftsmitglieder sind älter als 40 Jahre. Damit sind die älteren Arbeitnehmer fast doppelt so gut organisiert wie die jüngeren.

Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft wird sich diese Überalterung der Gewerkschaften negativ auf die Entwicklung des Organisationsgrades auswirken. Scheiden die älteren Jahrgänge nach und nach aus dem Arbeitsleben aus, ohne durch Mitgliederzugänge bei den jüngeren kompensiert zu werden, wird der Organisationsgrad langfristig weiter sinken.

Aus früheren Veröffentlichungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft ergibt sich ein bereits seit den 1980er Jahren anhaltender Abwärtstrend in der Verankerung der Gewerkschaften in der Arbeitnehmerschaft. Im Jahre 1994 lag der Organisationsgrad noch bei 27,0 %, 10 Jahre später, im Jahre 2004, nur noch bei 20,0 %.

Aus den Erhebungen ergibt sich auch, dass der Organisationsgrad stark nach der Größe der Betriebe variiert. Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder nach Betriebsgrößen lag im Jahre 2008 (letzte veröffentlichte Erhebung) in Betrieben mit

  • 1 bis  10 Beschäftigten: bei 7,7 %
  • 10 bis  49 Beschäftigten: bei 12,1 %
  • 50 bis 199 Beschäftigten: bei 18,1 %
  • 200 bis 499 Beschäftigten: bei 28,1 %
  • 500 bis 999 Beschäftigten: bei 24,0 %
  • 1.000 und mehr: bei 34,1 %

Im Baugewerbe beträgt nach den Statistiken der SOKA-BAU der Anteil der Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten zurzeit ca. 84,0 %. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt dürfte somit im Baugewerbe nach unserer Einschätzung vermutlich unter 10,0 % liegen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) veröffentlicht auf seiner Internetseite die absoluten Mitgliederzahlen aller DGB-Gewerkschaften. Daraus ergibt sich, dass sich die Zahl der bei der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) organisierten Arbeiter und Angestellten in den letzten Jahren wie folgt entwickelte:

2014: 191.104
2013: 195.289
2012: 199.695
2011: 203.742
2010: 206.922
2009: 210.934
2008: 215.968
2007: 223.422
2006: 230.918