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CoC-Zertifizierung - Überwachung der Lieferkette in der Holzwirtschaft

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat im Dezember 2015 klargestellt, dass bei öffentlichen Ausschreibungen für Baumaßnahmen des Bundes bei der Beschaffung von Holzprodukten die Bieter eine lückenlose Nachweiskette des beschafften Holzes (Chain of Custody - oder CoC) des jeweiligen Betriebes erforderlich ist. Der Nachweis der Zertifizierung des jeweils verwendeten Holzes bzw. Holzproduktes reiche nicht aus.

Ziel des BMUB ist es, weltweit den illegalen Holzhandel zu bekämpfen und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu erreichen. Basierend auf dem Erlass zur Beschaffung von Holzprodukten, wurde auch das Formblatt 248 im VHB Bund geändert, das ab 01. Juli 2016 verbindlich anzuwenden ist. Dadurch soll sichergestellt werden, dass nur Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert werden oder den Zuschlag erhalten, die zertifiziert sind oder einen geprüften Einzelnachweis vorlegen können.

Zertifizierungspflicht führt zu unverhältnismäßigem Aufwand und Kosten 

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat hierzu mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in einem gemeinsamen Schreiben an das BMUB die Auffassung vertreten, dass dies zu unverhältnismäßigem Aufwand und Kosten für zehntausende kleine und mittlere Unternehmen führt, ohne dass der Nutzen der zusätzlichen Zertifizierung erkennbar wäre. Ob das BMUB zukünftig seine Vorgaben korrigiert, ist derzeit noch nicht absehbar.

Welche Möglichkeiten der lückenlosen Nachweispflicht gibt es?

Grundsätzlich bestehen vier Nachweismöglichkeiten:

  1. Die CoC-Zertifizierung: Sie bestätigt, dass der Betrieb nur FSC- und/oder PEFC-zertifizierte Holzprodukte verwendet und hierfür ein betriebliches Instrument zur Überwachung der Lieferkette vorhält.
  2. Einzelnachweis, dass eine andere Zertifizierung den im jeweiligen Herkunftsland geltenden Standards von FSC und PEFC entspricht. Der Nachweis muss vom Thünen-Institut oder vom Bundesamt für Naturschutz geprüft werden.
  3. Einzelnachweis, dass die Holzprodukte den im jeweiligen Herkunftsplan geltenden Standards von FSC und PEFC entsprechen. Der Nachweis muss ebenfalls vom Thünen-Institut oder vom Bundesamt für Naturschutz geprüft werden.
  4. Bei Weitervergabe der Leistungen an Nachunternehmer können dessen Zertifizierungen/Prüfnachweise vorgelegt werden.

Für wen kommt eine CoC-Zertifizierung in Betracht?

Der LBB hat auf der Grundlage der derzeit vorliegenden Dokumente eine vorläufige Einschätzung vorgenommen, für welche Betriebe eine CoC-Zertifizierung zukünftig sinnvoll erscheint.

Betriebe, die bei öffentlichen Aufträgen regelmäßig Holzprodukte übereignen, fahren voraussichtlich zukünftig mit einer CoC-Zertifizierung besser als mit Einzelnachweisen. Schlüsselfertigbetriebe oder Betriebe, die Holzbauleistungen weitervergeben, sollten bei Nachunternehmervergaben eine entsprechende Nachweiserbringung verlangen.

Beispiele aus dem Baugewerbe:

  • Zimmerer- und Schreinerbetriebe
  • Parkettleger
  • Trockenbaubetriebe, die Holztüren oder Bekleidungen aus Holzprodukten einbauen, wenn der CoC-Nachweis nicht vom Unternehmer erbracht wird
  • Rohbaubetriebe, die in ihre Baukonstruktionen Holzkonstruktionen wie Dachstühle oder Holzbinder einbauen, wenn der CoC-Nachweis nicht vom Unternehmer erbracht wird
  • Tiefbaubetriebe, die Holzpfähle setzen (z.B. im Grund und Wasserbau)
  • Schlüsselfertigbetriebe, wenn die CoC-Nachweise nicht vom Nachunternehmer erbracht werden

Wer ist von der CoC-Zertifizierung nicht betroffen?

Betriebe, die lediglich Holzprodukte verwenden um Baukonstruktionen zu erstellen, die nicht im Bauwerk verbleiben.

Beispiele aus dem Baugewerbe:

  • Hochbaubetriebe, die Holzschalung für das Erstellen von Betonkonstruktionen verwenden und diese nicht im Bauwerk verbleiben
  • Tiefbaubetriebe, die hölzerne Verbaukonstruktionen und –beläge verwenden
  • Stuckateure, die Holzplanken für ihre Gerüste verwenden
  • Fliesenleger, die Holzkeile für das vorübergehende Fixieren von Fliesen und Werksteinen verwenden

Fristen für die Einführung der CoC-Zertifizierung bei Bundesbauten

Soweit auftragsspezifisch genügend Unternehmen über ein gültiges Zertifikat verfügen, so dass ein Wettbewerb gewährleistet ist, sind laut Erlass vom Dezember 2015 ab dem 01. April 2016 bei Bauprojekten des Bundes in beschränkten Ausschreibungen (ohne Teilnahme Wettbewerb) und freihändigen Vergaben nur Unternehmen aufzufordern, die über ein gültiges Zertifikat verfügen oder einen Einzelnachweis des Thünen-Instituts in Hamburg oder des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn vorlegen können.

Ab 01. Juli 2016 müssen Betriebe zur Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen des Bundes CoC-zertifiziert sein oder einen Einzelnachweis vorlegen.

Auch der Freistaat Bayern wird aller Voraussicht nach die neuen Vorgaben umsetzen. Bereits seit geraumer Zeit werden bei Baumaßnahmen einiger ambitionierter Städte und Kommunen derartige Forderungen gestellt. Es ist also nicht auszuschließen, dass - selbst wenn das BMUB seine Auslegung zurückzieht - eine Nachfrage nach praxisgerechter CoC-Zertifizierung besteht. Einzelne Unternehmen haben sich bereits z.B. durch den TÜV zertifizieren lassen. Umweltverbände, die diese neue Umweltbürokratie gefordert und auf dem Klageweg durchgesetzt haben, haben ihre nahestehenden Zertifizierungsorganisationen, die bereits entsprechende Produkte anbieten.

Zert-Bau plant ihr Zertifizierungsangebot zu erweitern

Um der Nachfrage nach einem baupraxisgerechten Angebot für CoC-Zertifizierungen entsprechen zu können, werden seitens der Zert-Bau derzeit die notwendigen Voraussetzungen für eine Akkreditierung in diesem Bereich gestellt, ohne den eine Zertifizierung nicht vorgenommen werden kann.

Praxistipp

Die baugewerbliche Organisation kann Synergieeffekte ermöglichen, wie z.B. kostengünstige Gruppenzertifikate. Betriebe, die das nutzen möchten und eine CoC-Zertifizierung unter den gegebenen Umständen als sinnvoll erachten, wenden sich bitte per Email an techmer(at)lbb-bayern.de unter dem Betreff „CoC-Zertifizierung“.