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Bau von Flüchtlingsunterkünften mit Mauerwerk

Aktuellen Untersuchungen des Pestel-Instituts Hannover zufolge müssten bis 2020 pro Jahr insgesamt rund 400.000 Wohneinheiten in der Bundesrepublik errichtet werden. Im Vergleich zu den rund 270.000 Wohnungseinheiten, die voraussichtlich in 2015 fertiggestellt werden, ist eine kurzfristige Steigerung der Wohnungsneubautätigkeit um bis zu 50 Prozent erforderlich.

Vor diesem Hintergrund wurde zuletzt häufiger darauf verwiesen, dass insbesondere die Holzbauweise mit vorgefertigten Holzrahmenkonstruktionen aufgrund der kurzen Montagezeit eine Lösung für die Schaffung von Flüchtlingsunterkünften sein könnte. Die gesamte Bauzeit wird aber auch bei dieser Bauweise durch die Planungs- und Vorfertigungsphase, für den Rohbau erforderliche Fundamente, die eigentliche Montage der Holzrahmenelemente und den anschließenden Ausbau bestimmt. Dass die Planungs- und Vorfertigungsphase dabei einen entsprechenden Vorlauf benötigt, wird kaum erwähnt.

Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) weist deshalb darauf hin, dass Massivbauweisen mit Wandkonstruktionen aus Mauerwerk als Gesamtpaket hervorragende Rahmenbedingungen für die Errichtung solcher Bauten bietet. Denn hierbei geht es vor allem um eine Kombination aus kurzer Planungs- und Bauzeit, bestmöglicher Wirtschaftlichkeit, hoher Flexibilität und niedrigsten Instandhaltungsaufwendungen über eine lange Lebensdauer.

Beispiel Dinslaken: Baracken in Leichtbauweise nicht sanierungsfähig

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten beweist eine Anfang 2015 veröffentlichte Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. Kiel unter anderem, dass die Baukosten mit Mauerwerk im Vergleich zum Holzbau günstiger ausfallen – und das sowohl in Bezug auf die reinen Herstellungskosten der Wand als auch auf die gesamten Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche. Im betrachteten Beispiel des Projektes in Dinslaken verringern vorgefertigte, geschosshohe Wandelemente nicht nur die Baukosten, sondern auch die Bauzeit. Nachdem sich die in den 1970er Jahren in Leichtbauweise errichteten Baracken als nicht sanierungsfähig herausstellten, entschied die Kommune, vier neue Gebäude für die Erstnutzung als Flüchtlingswohnheime in massiver, werterhaltender Bauweise zu errichten, die Ende Oktober fertiggestellt wurden.

Robuste Flexibilität schnell und wirtschaftlich errichtet

Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben der schnellen Errichtung und der Wirtschaftlichkeit sind dies unter anderem die hohe Qualität bei Schall- und Brandschutz. „Diese Aspekte gewinnen zusätzlich an Bedeutung, da hier zukünftig rund 120 Bewohner auf engem Raum zusammen leben. Auch die besondere Robustheit von Mauerwerksbauten im Gegensatz zu Gebäuden in Leichtbauweise  ist ein wichtiges Argument“. Grundriss und Formate der verwendeten Systemwandelemente wurden nach gängigem Rastermaß aufeinander abgestimmt. „Die flexible, objektbezogene Herstellung der Elemente ermöglicht durch variable Abmessungen planerische Freiheit“, erklärt der zuständige Architekt Heinz Vahnenbruck.

Das zeigt deutlich, dass vor allem bei Vorhaben, die über den puren kurzfristigen Ersatz von Zelten durch Container und Baracken hinausgehen, Massivbauten deutliche Vorteile bieten. In Dinslaken spricht man bewusst von Übergangsheimen – denn diese können aufgrund der robusten und dennoch flexiblen Bauweise in Zukunft problemlos anderweitig genutzt werden. So kommt man den Zielen, einerseits Flüchtlingen auf schnelle und wirtschaftliche Weise eine robuste Bleibe zu bieten und andererseits nachhaltige, anpassungsfähige und für spätere Nutzergruppen geeignete Gebäude zu erschaffen, einen deutlichen Schritt näher.

Entwicklung von Typenhäusern für Flüchtlingsunterkünfte

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat vorgeschlagen, Typenhäuser als standardisierte Gebäude, die wenn sie wie definiert gebaut werden nicht mehr im Einzelfall geprüft und genehmigt werden müssen. Eine Standardisierung kann bei Typenhäusern in den Wohnungsgrundrissen erfolgen. Außerdem können Konstruktionen und Bauteile, insbesondere tragende Bauteile wie Deckenfertigteile, Treppenläufe und -podeste oder tragende Wandscheiben, für ein modulares Maßsystem standardisiert werden. Der planerische Vorteil liegt hier in  standardisierten Standsicherheits- und Brandschutznachweisen. In Abhängigkeit von der Geschosszahl kommen für standardisierte  Typenhäuser sowohl Holz- als auch Massivbauten in Frage. Bei beiden Konstruktionsarten ist die Vorfertigung tragender Bauteile möglich.

Das Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein hat eine Studie für alle Formen der Unterbringung von Flüchtlingen bei der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. beauftragt mit dem Projektnamen „Kieler Modell“.